Liebes Tagebuch,
ich finde technische Angelegenheiten, die dazu entwickelt wurden, um Dinge kühl zu halten, äußerst sinnvoll. Der Kühlschrank zum Beispiel. Der Kühlschrank ist der beste Freund der Frau. Was wären nächtliche Fressattacken ohne einen Kühlschrank? Wessen Tür könnte man besser zuschlagen, weil man unglaublich frustriert, verlassen oder verletzt ist. Wessen sanftes Brummen und Gurgeln tröstet einen besser, wenn man verloren in der Tupper Box nach dem leckeren Käse sucht, von dem gestern doch noch ganz viel da war? Was leuchtet einem freundlicher den Weg durch die nächtliche Küche als die sanft blinkende LED-Anzeige eines guten Markengeräts. Und wenn Männer an einem Sonntagmorgen ihr Auto waschen, dann heißt es für Frauen: Heute enteise ich mal schön das Tiefkühlfach, damit meine 2-Liter Eispackungen es auch richtig schick haben.
Auch gegen Kühlboxen habe ich nichts einzuwenden. Gut, sie sind dem persönlichen Glück meist schon näher als ein Kühlschrank. Schließlich braucht man eine Kühlbox nur, wenn man ins Grüne fährt. Sicher gibt es einige besonders verzweifelte Exemplare von Frauen, die auch alleine ins Grüne fahren und sich mit ihrem imaginären Freund unterhalten, aber meistens bedeutet die Kühlbox doch so was wie Familie oder zumindest ein einschätzbares Sexualleben.
Man kann dann Prosecco aus der Kühlbox rausholen und sich damit übergießen, damit einen das perfekte Gegenüber (Problemzonen sind okay) anschließend zärtlich in den (praktisch) nahegelegenen See wirft.
Wogegen ich aber wirklich bin, ist die Erfindung von Kühlräumen. Ich befinde mich gerade in einem und ich bin mir sehr sicher, dass ich hier nicht mehr lebend rauskomme. Nein, ich habe meinen Beruf NICHT an den Nagel gehängt und in einer Fleischerei angefangen. Ich habe lediglich freundlicherweise die Spermien von Herrn Knechtlsdorfer einsortiert, nachdem ich ihn sediert hatte, um mich dafür zu rächen, dass er mich vor Meier ausgespielt hat und dann ist die Tür zugefallen. Knechtlsdorfer schläft tief und es ist saukalt hier drinnen. Ich bin also gefangen in der Kälte. Gott, das klingt wirklich noch beschissener, als jede GZSZ Folge, die man sich in der Straßenbahn nacherzählt.
„Der Udo hat ja gestern erfahren, dass er Krebs hat und weiß jetzt nicht, ob er die Niere seiner Freundin oder seiner Exfrau spenden will. Er muss ja noch dringend seine tot geglaubte Schwester anrufen.“
„Hä?“ „Guck einfach mal rein, ist total spannend. Gestern hat der sich im Kühlraum eingeschlossen.“
Oh nein, ich werde als schäbiger Cliffhanger enden. Ich hätte mir wirklich angenehmere Todesarten vorstellen können, wenn man schon aus dem Filmbereich wählen dürfte. Ich wäre wirklich gerne so gestorben wie Thelma und Louise.
Dr.Hassmann und ich, auf der Flucht vor der Polizei, nachdem wir Milliarden unterdrückte Frauen von ihren schrecklichen Männern befreit haben. Natürlich hat Dr.Hassmann die Drecksarbeit übernommen und abgedrückt. Ich war lediglich Zeuge und würde nur aus Solidarität bei ihr im Wagen bleiben und würde sozusagen posthum von allen Verbrechen freigesprochen werden und eventuell sogar nachträglich geheiligt werden. Bei meinem Sexualleben gehe ich doch glatt noch als Jungfrau durch. Und noch Jahre später werden Menschen in Brand- und Fettflecken die Silhouette einer großzügig gebauten Frau zu erkennen meinen und sich zuraunen: das ist doch die heilige Margarethe.
Von mir aus auch Romeo und Julia: Marcs Mutter, mit meiner Mutter bis aufs Blut verfeindet, intrigiert seit Monaten. Ewigkeiten denke ich, dass Marc Schuld daran ist, dass wir nie zusammenkommen finde dann aber heraus, dass mich im Grunde über alles liebt. Damit wir endlich aus den Fängen des gnadenlosen Groschenroman-Matriarchats entkommen können, beschließe ich fingierten Selbstmord und plane eine Vergiftung durch Kohlrabi-Eintopf meiner Mutter (2 Löffel und ich bin tot, so ekelhaft schmeckt der). Ich schreibe Marc einen Brief. Aber der hat seinen Porno so laut laufen, dass er den Briefträger nicht hört. Als er mich dann scheintot und nach Kohlrabi duftend in der Küche meiner Mutter findet, weiß er nicht, dass das alles ein Plan ist und ich bereits ein kleines Strandhaus in Malibu für uns gekauft habe (okay, in dieser Variante bin ich finanziell recht flüssig). Er küsst also verzweifelt und unter Tränen (typisch, da heult Marc Meier Mal und ich bin scheintot) meine Lippen, in der Hoffnung, dass da noch etwas Kohlrabi-Brei klebt, der ihn ebenfalls erlösen könnte, aber vergeblich. Mit dem Obstmesser meiner Mutter ersticht er sich und sinkt tot auf mich. Anschließend erwache ich und folge ihm, nehme aber dasselbe Messer, damit meine Mutter nicht so viel Abwasch hat.
Oder Titanic. Marc und ich treiben im eiskalten Mittelmeer..äh...okay...war`n kalter Sommer. Hinter uns versinkt gerade die Aida im Meer. Die beschissene Coverband spielt immer noch Marianne Rosenberg. Wir quetschen uns auf eine Tür. Unser Atem gefriert bereits. Da ich nicht drüber hinwegkomme, dass die Aktbilder, die er von mir unter Alkoholeinfluss gemalt hat, vermutlich in Kürze von einem Taucher geborgen werden würden, warte ich nicht darauf, dass er untergeht, sondern verlasse die Tür freiwillig und sinke hinab, stelle aber fest, dass meine Unterwäsche so einen starken Auftrieb verursacht, dass ich dann doch warten muss, bis ein Hai vorbeikommt, der Bauchweg-Unterwäsche appetitlich findet.
Aber stattdessen...deprimierendes Ende im Krankenhaus. Mein Puls geht runter. Gleich werde ich müde.
Mein Herzschlag geht zurück.
Mein Blut wird immer langsamer.
Und dann höre ich auf zu atmen.
Oh, da fällt mir ein, ich habe doch schon mal eine Kühlbox benutzt und bin alleine an den Rhein gefahren, um mir vier belegte Brote und zwei Flaschen Prosecco reinzupfeifen. Ich glaube, es war kurz nachdem Peter mir den Heiratsantrag in der Autowerkstatt gemacht hat. Ja, nach so einem „romantischen“ Fiasko hilft nur noch Alkohol.
Eine Schande, dass ich hier erfriere und nicht mal ein Fläschchen Sekt kaltgestellt worden ist.