SAMSTAG
19.25 Uhr
Habe ein neues Buch. „FRUST WEG DURCH FREUDE". Das Prinzip ist so einfach, wie fragwürdig, aber ich habe schließlich auch der Fleischwurst-Diät eine Chance gegeben. Gut, dann fangen wir mal an. Die Idee ist, dass man sich einfach über alles freut, was einem so durch den Kopf geht. Ich freue mich für Marc, dass er in Schwester Gabi eine Frau gefunden hat, die er mehr liebt, als mich. Ich freue mich für Mehdi, dass er wieder mit seiner Frau zusammen ist. Mein Gott, Koma ist halt nicht für immer, ne? Ich freue mich, dass die beiden zwischendurch ein bisschen Spaß mit mir hatten. Ich freue mich, dass mein Fahrrad einen Platten hat. Ich freue mich für Barack Obama, dass er einen Hund hat. Ich freue mich für – nee, keine Lust mehr, das ist ja wohl nicht wahr, wer soll denn mit diesem Unsinn glücklich werden. Soll ich mich vielleicht noch darüber freuen, dass mein Vater meinen schlanken Pulli viel zu heiß gewaschen hat? Jetzt ist es nämlich kein schlanker Pulli mehr, sondern ein Wurst-Pulli.
Ich bin auch eine Wurst. Fühle mich wie eine Wurst. Innerlich, äußerlich. Total wurstig. Nicht mal die Wurst mit dem lustigen Gesicht drauf, sondern einfach nur eine blöde graue Wurst. Inmitten der Fleischtheke. Aber alle wollen lieber Käse, statt Wurst. Und ich bleibe übrig. Käse müsste man sein.
19.45 Uhr
Stimmungsveränderung: Null von Zehn Punkten. Fragwürdigkeitsniveau des Buches: Zehn von Zehn Punkten. Bedarf an neuen Selbsthilfebüchern: IMMENS!
20.01 Uhr
Keine interessanten Selbsthilfebücher gefunden. „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?" kann ich auch so beantworten. ICH BIN SINGLE! UND DAS IN VIERFACHER HINSICHT! 1.Ich habe keinen Sex.2.Ich werde nie heiraten.3.Ich werden nie Kinder haben.4.Ich werde im Haus meiner Eltern sterben.Die ersten drei Punkte lassen sich heute nicht mehr lösen, der vierte schon. Werde einfach versuchen, woanders zu sterben, ergo: ich mache eine Flugreise. Fliegen war ja nie so gefährlich wie heute. Ständig rumst es irgendwo und aus irgendeinem Ozean wird immer jemand geborgen. Man mag ja gar nicht mehr ins Meer gehen, aus Angst, dass man beim Rückenkraulen (gut für die Oberarme, aber schlecht, wenn man es nicht kann) gegen eine Leiche schwimmt. Die Berichterstattung über Flugzeugunfälle nimmt aber auch Überhand. Inzwischen wird ja sogar gemeldet, wenn es irgendwo Turbulenzen gab. „Auf dem Flug PupsKlo nach Hokutoku gab es Gugi-Dugi-Turbulenzen. Gott sei Dank wurde keiner verletzt." Äh, ja und? So what? Dann lasst die Meldung doch bitte weg, wenn keiner verletzt wurde und sich lediglich ein paar unfreundliche Stewardessen die zornige Stirn gestoßen haben. Solange alle Tomatensäfte wieder festen Boden unter den Füßen haben, ist doch alles gut. Habe bereits genug Panik vorm Fliegen, da will ich doch nicht noch wissen, wie oft es GERADE NOCH SO gut ausgegangen ist. Man berichtet ja auch nicht, dass Paris Hilton FAST nackt fotografiert wurde, oder der Benzin-Preis GERADE noch so nicht gestiegen ist. Außerdem weiß man ja, dass es immer noch häufigere Todesursachen gibt, die aber einfach nicht so interessant für unsere „Anchors" sind. Auf Pumps im Gulli stecken bleiben und vom Müllwagen gerammt werden z.B. Hatte da gestern eine Patientin, die wirklich furchtbar aussah. Und der Schuh erst! So ein schönes Modell. Konnten die Frau retten, den Schuh leider nicht. Ich glaube, sie hätte es auch lieber andersrum gehabt.