DONNERSTAG
08.04 Uhr: Hatte einen Traum. Wo ist mein Traumtagebuch. Verdammt. Egal.Ich ritt auf einem weißen Pferd durch die Wüste, ungefähr so bescheuert wie Veronika Ferres in ihrem neuen Werbespot. Sah aber nicht alt aus, weil ich die falsche Faltencreme benutze, sondern sah super aus (hier wird klar, dass es ein Traum war). Vor mir eine Oase mit diversen Ölmillionären. Bin mir aufgrund von politischem Unwissen nicht klar, um was für Landsmänner es sich handelte, auf jeden Fall sahen sie super aus und wollten alle was von mir (hier wird noch klarer, dass es ein Traum war). Aus mir unerklärlichen Gründen ließ ich mich nicht darauf ein, die diversen Heiratsanträge anzunehmen, sondern erklärte recht taff, dass es Wichtigeres auf der Welt gäbe, um das ich mich zu kümmern hätte. Daraufhin ignorierten mich die Männer und wandten sich Penelope Cruz zu, die ebenfalls in der Nähe war und Javier Bardem suchte. Traum vorbei.
Traumdeutung eindeutig:1. Penelope Cruz ist in Javier Bardem verliebt.2. Jetzt ist Schluss mit dem Hin und Her.
Ab jetzt kümmere ich mich um die essentiellen Dinge des Lebens:Ich kämpfe für die Abschaltung der AKWs.Ich rette Bäume.Ich ziehe verwaiste Eichhörnchen groß, die von Tornados aus ihren Nestern geschüttelt werden.Und ich lese alten Frauen auf der Krebsstation Rosamunde Pilcher vor.
13.55 Uhr: Keine alten Frauen auf der Krebsstation vorhanden. Dafür vier alte Männer. Habe also den alten Männern Rosamunde Pilcher vorgelesen.
15.17 Uhr: Prostata-Krebs verließ das Zimmer nach 4 Minuten (aufs Klo). Lungenkrebs verließ das Zimmer nach 5 Minuten (eine Rauchen. Vermutlich die letzte). Hautkrebs verließt das Zimmer nach 6 Minuten (mal an die Sonne) Darmkrebs verließ das Zimmer gar nicht, hatte aber einen Kreislaufzusammenbruch, den ich gerade noch so wieder hinbekommen konnte. Schätze, dass man niemals ein Krebszentrum nach Rosamunde Pilcher benennen wird. Habe kein Mitleid mit ihr. Bei ihr hat nämlich alles ein blödes unrealistisches HAPPY END!Ich hasse Happy Ends. Man gewöhnt sich so sehr an die verdammten Dinger, dass man irgendwann glaubt, dass man automatisch auch die Chance auf eines hat.
19.45 Uhr: Mein Bruder kam gerade in mein Zimmer, als ich versucht habe einen Bikini aus meiner Schulzeit anzuziehen, um die unwahrscheinliche Eventualität zu überprüfen, ob ich vielleicht gar nicht wirklich dicker geworden bin, sondern sich alles nur um eine Fehleinschätzung meiner selbst handelt. Die Reaktion meines Bruders hat die Frage beantwortet: Erst hielt er sich die Augen zu, rannte dann entsetzt schreiend gegen den Türrahmen und bliebt dann regungslos liegen und wimmert: „Ein Traum, das ist alles nur ein Traum.“
21.02 Uhr: Mein Bruder fährt nach Mallorca. Single-Urlaub. Vielleicht fahr ich mit. Er meinte, er will nicht, dass ich mitfahre.
21.24h Uhr: Das meint er ja gar nicht so. Er ist nur zu schüchtern, um zuzugeben, wie gerne er mich hat und dass er viiiiiiel mehr Zeit mit seiner supercoolen Schwester verbringen will. Ja, ich denke, ich werde mitfahren. Weiß zwar noch nicht, wie sich das mit meiner Flugangst, meiner Sonnenallergie, meiner Meerwasserunverträglichkeit und meiner gefährlichen Sangria-Abhängigkeit vertragen wird, aber ich bin guter Dinge. Die tollsten Männer lernt man doch immer noch im Urlaub kennen!
OLE! ESPANA, ICH KOMME!